Forum der Gemeinschaft wappenführender Familien

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Ungelesener BeitragVerfasst: 21.10.2017, 21:33 
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Hallo zusammen,

ich bin auf der Suche nach Informationen und einem Wappen zu einer Adelsfamilie "de Praedin" (oder ähnlich), Joachim de Praedin war 1674 Herr der Herrschaft Litschkau bei Saaz in Böhmen.

Viele Grüße,

Sebastian


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Ungelesener BeitragVerfasst: 21.10.2017, 22:22 
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Hallo Sebastian,

zu einer Familie mit diesem Namen konnte ich nichts finden. Von woher stammt deine Information? Schaller schreibt zur Herrschaft Litschkau das diese im 16.Jh. den Herren Hassenstein von Lobkowitz gehörte und dann an die Popel von Hassenstein kam und danach an Bohuslaw Hrabczicky. 1623 wegen der Teilnahme am Ständeaufstand konfisziert kam sie an die Wratislaw von Mitrowitz. Gegen die Mitte des 18.Jh. kam sie an die Grafen von Bredau und kurz danach an die Freiherren von Eben.

Es gab eine Familie Prejdar von Heiligenberg mit folgendem Wappen (am 26. Mai 1630 verliehen):
(frei von mir übersetzt)
gespaltener Schild, rechts in weiß ein Gebirgszug mit einer Quelle, links in blau ein grüner Dreiberg mit einem goldenen gekrönten Löwen darauf, in den Pranken einen Anker mit darum geschlungener grüner Schlange haltend, auf dem gekrönten Turnierhelm mit blau-weißen Decken der Löwe wie im Schild zu sehen

Ob diese Familie die gesuchte ist kann ich nicht sagen.

Das Wappen und das Prädikat wurden übrigens vom kaiserl. Palatin Dr.phil.med. Christian Theodor Schosler Emilianský von Frydhelm verliehen.

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Mit Grüssen Gerd
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Ungelesener BeitragVerfasst: 22.10.2017, 11:56 
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Hallo Gerd,

danke für die schnelle Antwort. Ich habe die Information aus den Kirchenbüchern (betreibe gerade etwas Ahnenforschung), siehe Bild im Anhang. Quelle (http://vademecum.soalitomerice.cz/vademecum/index.jsp?, dann Buch Nr. 93/1 N/O/Z 1644-1701 S.214). Da taucht auch ein Lucas de Praedin (wenn ich den Namen richtig entziffert habe) auf.

Viele Grüße,

Sebastian

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Ungelesener BeitragVerfasst: 22.10.2017, 18:21 
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Danke Sebastian! Es wäre ja auch möglich das es sich um zugewanderten Adel handelt. Im 30jährigen Krieg kamen viele aus Italien, Spanien, Frankreich oder anderen Ländern in den katholischen Regimentern nach Böhmen, wobei für Verdienste bei knappen Kassen von protestantischen Einheimischen konfiszierte Güter vergeben wurden. Als Beispiel kenne ich da die aus der Lombardei stammende Familie de Fin von denen noch heute Nachfahren in Böhmen leben. Allerdings mit veränderter schreibweise des Namens (Defin). Die schreibweise könnte ja dann auch aus dem französischen de Pradin(e) abgeleitet sein.

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Ungelesener BeitragVerfasst: 22.10.2017, 18:52 
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Ich habe mal in diese Richtung ein wenig gesucht. Es gab eine Familie de Pradine mit folgendem Wappen (französisch):

d'argent à trois bandes de gueules, chargées d'une étoile d'or chacune; et un chef d'azur au lion naissant d'or, adextré d'une étoile du même

Mein französisch ist sehr mangelhaft. Ich versuche es trotzdem einmal:

in silber drei rote Balken, jeweils mit einem goldenen Stern belegt, im blauen Schildhaupt ein wachsender goldener Löwe und dem gleichen Stern

Die Familie stammt aus dem ehemaligen im südosten Frankreichs an der Rhone gelegenen Fürstentum Orange. Ob da jemand aus dieser Familie nach Böhmen kam und ob es sich um die gesuchte Familie handelt kann ich nicht sagen.

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Ungelesener BeitragVerfasst: 22.10.2017, 20:09 
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Herr Joachim von Roy hat dazu folgendes angemerkt, wofür ich im herzlich danke:

Den Familiennamen de P r a d i n e kenne ich aus der französischen Provinz LANGUEDOC. Hier findet man ein Geschlecht de P r a d i n e s, das im blauen Wappenschild einen von drei goldenen Löwen begleiteten silbernen Sparren führte.

Eine weitere Familie P r a d i n e s d' A u r e i l l a n führte im von Silber und Blau gespaltenen Schild vorn einen schwarzen „tau“ (gemeint wohl einen „taureau“ = Stier), begleitet von zwei blauen Sternen, hinten einen goldenen Löwen, bordweise begleitet von zehn silbernen Münzen.

Eine weitere Familie P r a d i n e s de C i r o n führte geviert, im 1. und 4. Feld in Blau drei silberne Berge (= das Stammwappen de Ciron), das 2. und 3. goldene Feld besät mit schwarzen Halbmonden. Das Ganze bedeckt in Blau mit einem silbernen Sparren, begleitet von drei goldenen Löwen (= das Stammwappen de Pradines).

In der Provinz GASCOGNE führte eine Familie P r a d i n e s del B o s c in Gold einen grünen Baum, bedeckt von einem roten Hasen.

In SÜDFRANKREICH führte eine Familie de C o l l a (auch: de Collaud), die sich als Besitzer der Herrschaft P r a d i n e „Colla de Pradine“ nannte, in Silber drei mit je einem goldenen Stern belegte rote Schrägrechtsbalken, im blauen Schildhaupt ein wachsender goldener Löwe, rechts begleitet von einem goldenen Stern.

Es wäre nicht auszuschließen, daß sich im 17. Jahrhundert Angehörige der südfranzösischen Familien de P r a d i n e (s) / de P r a e d i n im Raum Saaz (nahe der Grenze zu Sachsen) niederließen.

MfG

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Ungelesener BeitragVerfasst: 24.10.2017, 07:22 
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Ist es denn sicher, dass es sich bei Joachim de Pradin um einen Edelmann handelt? Könnte "de Pradin" nicht auch einfach eine Wohnortsbezeichnung sein, also Joachim aus Pradin? Ein anderer Pate heisst Herr (...) d. Jüngere von Saatz. Ich vermute, dass "von Saatz" heissen soll, dass er aus der Stadt Saaz in Böhmen stammte. Auf der anderen Seite könnte die Verwendung von "de" und "von" darauf hindeuten, dass der Schreiber einen Standesunterschied deutlich machen wollte.
Eine schöne, gut lesbare Currentschrift. Den Beruf des Vaters von Christoph Dietz konnte ich aber dennoch nicht entziffern - ein Richter?

Gruss
Dirk


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Ungelesener BeitragVerfasst: 24.10.2017, 10:47 
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Hallo Dirk,

das er bürgerlich war ist sehr unwahrscheinlich wenn er Herr der Herrschaft Litschkau war. Das sein Wappen nicht in Böhmen registriert ist kann daran liegen dass er es dort nicht hat bestätigen lassen. Das einzige was irgendwo eingetragen sein müsste wäre das Inkolat für Böhmen, sonst hätte er keinen Besitz haben dürfen.

Tejas hat geschrieben:
Den Beruf des Vaters von Christoph Dietz konnte ich aber dennoch nicht entziffern - ein Richter?


Ich lese da Copulirer. Das ist jemand der die Trauung vollzieht.

Edit:
Entschuldige, du meinst sicher darunter am Zeilenanfang das Wort. Das würde ich auch als Richter lesen.

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Ungelesener BeitragVerfasst: 24.10.2017, 22:53 
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Hallo Gerd,

der Text besagt:
"Den 24. Aprilis ward copuliert (=verheiratet) Christoph Dietz, des (...) (...) Richter (?) zu Litschkau ehelich(er) Sohn,

mitt Jungfrau Maria, des Hans Selmayers (?) eheli(che) Tochter.

Testes (= Zeugen): H. (=Herr?) Joachim de Pradin (ich denke eher Predin), Herr Campang (??) d. Jüngere von Saatz, Lorentz Heinrich (....)"


Unklar ist was für ein Richter der Vater von Christoph Dietz war (königlicher Lizenz Richter???), falls es wirklich Richter heissen soll. Der erste Buchstabe ist unklar. Unklar sind zudem der Vorname des zweiten Zeugen und der Familienname des dritten Zeugen.

Woher weiss man das Joachim de Pradin (ich lese eher Predin) Herr der Herrschaft Litschkau war? In diesem Eintrag steht das nicht.

Es gab oder gibt offenbar einen Ort namens Predin in Böhmen. Ich vermute, dass es Joachim de Predin heissen muss.
https://www.familysearch.org/wiki/en/Cz ... es:_S_to_Z

Wenn man sich anschaut wie der Schreiber das "a" geschrieben hat, dann vermute ich dass der Name "Predin" heisst und das er sich auf den genannten Ort Predin bezieht, also Joachim de Predin, bzw. Joachim von (oder aus?) Predin.

Gruss
Dirk

PS man müsste mehr vom Text lesen können, um zu sehen wie der Schreiber das R, L und K usw. ausgeführt hat.


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Ungelesener BeitragVerfasst: 24.10.2017, 23:27 
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Hallo zusammen,

Danke erstmal für die Antworten. Mein vermeintlicher Vorfahr war Dorfrichter (sowas wie Dorfvorsteher). Also kein Jurist etc.

In dem Ort taucht unmittelbar nach dem Krieg (1644) ein Luca de Pradin auf, sein Sohn ist dann der Joachim de Pradin aus dem Screenshot. In den Kirchenbüchern kommen die öfter vor. Danach kommen die Herren von Eben.
Möglicherweise sind die de Pradin's mit dem Herrn der benachbarten Herrschaft Dobritschan (Dobricany), Dominic de Clary, aus dem Krieg mitgekommen und wohnten nur auf dem Schloss Lischkau und waren nicht die Eigentümer. Dominic de Clary war - glaube ich - Oberst unter Wallenstein und Begründer der Adelslinie Clary-Aldringen.

Viele Grüße,

Sebastian


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Ungelesener BeitragVerfasst: 24.10.2017, 23:39 
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Der Schreiber des Kirchenbuchs hatte einige Eigenarten. So verwendete er lateinische und deutsche “e”-s im selben Text. Das kleine “a” hat er hingegen immer gleich geschrieben, immer ohne Schlaufe. Ausser im Namen de Pradin/Predin. Also auch wenn Pradin richtig ist, hat er in diesem Fall Predin geschrieben. Ich wüsste gern wo das Dorf Predin liegt. Wenn es im Raum Litschkau-Saaz liegt wäre der Bezug klar, wenn es ganz woanders ist, kann es sich auch um einen entwurzelten französischen Edelmann handeln.

Gruss Dirk


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Ungelesener BeitragVerfasst: 24.10.2017, 23:46 
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Hallo Dirk,

der Ort heißt im tschechischen Předín und wurde früher Preding, Pröding, Przedyn geschrieben und liegt weiter weg, südöstlich am Rand zu Mähren.

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Ungelesener BeitragVerfasst: 25.10.2017, 11:13 
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Hallo Gerd,

das spricht dann tatsächlich eher dafür, das de Pradin oder de Predin nicht als Herkunftsbezeichnung zu interpretieren ist. Gab es vielleicht eine mährische Adelsfamilie von/de Predin mit Bezug auf diesen Ort?

Gruss
Dirk


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Ungelesener BeitragVerfasst: 25.10.2017, 11:35 
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Hallo Dirk,

nach böhmisch-mährischen Adel mit diesem oder ähnlichen Namen hatte ich schon am Anfang gesucht und nichts gefunden. Französische Herkunft ist in dieser Zeit nichts ungewöhnliches in Böhmen. Einer der bekanntesten ist dieser hier:

https://de.wikipedia.org/wiki/Charles_Bonaventure_de_Longueval

Hier ist noch so ein Beispiel (Franz de Couriers). Dieser hatte zuletzt als Oberstleutnant im Collalto-Regiment gedient. Der Herzschild im Freiherrenwappen ist höchstwahrscheinlich das Ursprungswappen aus Frankreich:

https://ghruska.weebly.com/c.html

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Ungelesener BeitragVerfasst: 19.11.2017, 00:31 
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Hallo zusammen,

ich habe noch ein bisschen was zu den "de Predin" herausgefunden. Lt. der "Berni Rula" (Steuerliste im Königreich Böhmen) von 1651 ist ein Lucas de Previn zwar ein Adliger ("rytir" im Screenshot aus einer tschechischen Übersetzung aus den 1950ern).

Inhaber der Herrschaft Lischka war aber zu der Zeit Jaroslav von Hasenburg. Die Predins hatten im Ort Klutschkau (gehört zur Herrschaft Litschkau) nur einen größeren Bauernhof.

In den Kirchenbüchern finde ich Adlige Taufpaten (Clary-Aldringen, Waal, etc.) für die Kinder der Predins, was auch dafür spricht, dass es Adlige sind.

Dateianhang:
de_Predin.jpg
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