Forum der Gemeinschaft wappenführender Familien

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Ungelesener BeitragVerfasst: 05.01.2019, 12:25 
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Registriert: 05.01.2019, 12:03
Beiträge: 3
Liebe Spezialisten,

kürzlich geriet ich an ein Runddöslein, dessen Deckel eine geschnitzte Wappendarstellung "ziert".
Der bisherige Stand meiner arg laienhaften Nachforschungen: Die Figuren im 2. und 3. Geviert nennen sich wohl Eisenhutfehe. Die Helmzier scheint mir ein Hopfendolden zu sein.
Über das merkwürdig ausladende Helmvisier konnte ich überhaupt nichts in Erfahrung bringen und habe auch keine vergleichbaren Darstellungen gefunden. Ist diese Darstellungsart einer bestimmten Zeit zuzuordnen und soll sie überhaupt ein Visier darstellen?!
Den Eisenhutfeh finde ich in vielen Wappen, so z.B. bei den Nagel von Dirmstein, Lerch von Dirmstein, von Pappenheim.
Allerdings weisen all diese Wappen kein "leeres" 1. und 4. Geviert auf. Mir ist unklar, wie frei die Darstellung des Wappens sein darf, damit man es konkret einer Familie/Person zuordnen kann (Zahl der Fehe erheblich oder nicht?!). Auch die Einfarbigkeit der Schnitzerei erschwert mir eine Bestimmung.

Bitte entschuldigt, falls ich heraldische Begriffe durcheinanderbringe oder falsch verwende, ich bin - wie gesagt - absoluter Laie.

Wäre sehr dankbar, könnte mir jemand bei der Zuordnung helfen!

Beste Grüße und ein angenehmes Wochenende
Epikur


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Ungelesener BeitragVerfasst: 05.01.2019, 15:32 
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Beiträge: 781
Hallo Epikur,

es dürfte sich hier um das Wappen der Herren von Kronberg handeln.

geviert in Rot und Eisenhutfeh (silber und blau), schwarz-silberne Decken, gekrönter Helm (hier ein Spangenhelm), in der Zier ein schwarzer Pinienzapfen

Edit: Ich muss mich korrigieren. Es ist kein Pinienzapfen sondern eine Disteldolde.

_________________
Gerd Hruška
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Ungelesener BeitragVerfasst: 05.01.2019, 16:21 
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Registriert: 02.12.2005, 23:38
Beiträge: 4315
Wohnort: 64521 Groß-Gerau
Hier eine Ergänzung zu Gerds Antwort: Es könnte sich hier um ein Familienmitglied der genannten Familie handeln....
Daten aus Siebmachers "Supplemente", Register 6.
Was die Spangen am Helm betrifft... da gibt es in der Heraldik bei solchen Schnitzereien, eine künstlerische Freiheit :lol: :winke:
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Gruß PEER :schreiber:

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"steirerbluat is koa nudlsuppn"


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Ungelesener BeitragVerfasst: 05.01.2019, 16:35 
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Registriert: 05.01.2019, 12:03
Beiträge: 3
Super! Das ging ja schnell. :wow-g: Vielen Dank euch beiden für die rasche Hilfe!

Das Wappen der Herren von Kronberg passt sehr gut, besonders, wenn man sich die der verschiedenen Stämme anschaut (teils eben auch ohne Krone).

Heißt das, dass die Anzahl der Fehe pro Reihe und die Zahl der Fehereihen pro Geviert gar keine so große Rolle spielt und es mehr auf das "Gesamtbild" ankommt?
Bei dem Wappen auf der Dose sind die Fehe im 2. Geviert ja nur einreihig und im 4.Geviert je drei Fehe in zwei Reihen. Vielleicht ist dem Schnitzer dieser Dose auch ein Flüchtigkeitsfehler passiert.

Beste Grüße
Epikur


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Ungelesener BeitragVerfasst: 05.01.2019, 18:29 
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Beiträge: 161
Hallo Epikur,

auf Wikipedia wird tatsächlich auf die Anzahl eingegangen: "In Silber vier (2:2) blaue Eisenhütlein", siehe auch hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Kronberg_(Adelsgeschlecht)
Im Siebmacher wird auch auf die Eisenhüte eingegangen: https://gdz.sub.uni-goettingen.de/id/PPN830273042?tify={%22pages%22:[14],%22panX%22:0.504,%22panY%22:0.655,%22view%22:%22info%22,%22zoom%22:0.465}
Im Österreichischen Staatsarchiv sieht es so aus: http://www.archivinformationssystem.at/ ... ID=1577980

"Dein" Cronberg-Wappen weicht aber in jedem Fall von allen anderen Aufrissen ab, da auf Deiner Dose Feld 2 und 3 verschieden dargestellt werden.
Letztendlich ist der Original-Blason entscheidend, den ich nicht kenne.

Beste Grüße
Robert


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Ungelesener BeitragVerfasst: 06.01.2019, 12:40 
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Beiträge: 115
Ist bekannt wie alt dieser Dose ist. Der Vorstellung nach könnte es um 1500 sein, aber Anfang 19. Jh. ist warscheinlicher denn es ist im Stil des Ansbacher Wappenbuch von 1490 geschnitzt worden. Dieses Wappenbuch wurde in der Herold von 1898 besprochen. "Bezeichnend sind für den Stil um 1490 die bei Profilhelmen sehr stark ausladenden Bügel".
Ob das Wappen der Kronberger auch in diesem Wappenbuch zu finden ist, ist mir leider nicht bekannt.

Proben aus dem Ansbacher Wappenbuch findet man auch in das Buch "Beiträge zum Formenschatz der Heraldik" von Otto Watzelberger (München 1900).

Anbei zwei Proben. In schwarz-weiss von E. Löffelholz von Colberg (Herold Jahrbuch 1898) und in Farbe von Th. Henning (Proben aus dem Ansbacher Wappenbuch, um 1905, Privatbesitz).


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Ungelesener BeitragVerfasst: 06.01.2019, 14:05 
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Beiträge: 3
Zunächst nochmals danke an alle für die Hilfe und guten Hinweise!

Das Alter der Dose ist leider unbekannt. Ich hoffte, sie aufgrund des Wappens zeitlich einordnen zu können.
Verkauft wurde sie als "um 1800", vermutlich aufgrund der Stilistik der Metallmontierung. Allerdings bezweifel ich, dass es sich bei dieser Montierung um die originale handelt, da die (wie der Deckel ebenfalls beschnitzte) Wandung am oberen und unteren Rand überall gleich breite, glatte (unbeschnitzte) Flächen aufweist. Möglicherweise war die ursprüngliche Montierung aus Silber und wurde dann in Notzeiten abgemacht, um sie einzuschmelzen und zu "versilbern". Sowas war früher ja nicht unüblich. Zudem ist die jetzige Montierung nicht gerade sauber gearbeitet (teils zu weit etc.). Das ist aber nur meine Theorie und vielleicht totaler Blödsinn.

Weiss jemand wo sich das Ansbacher Wappenbuch heute befindet?
Konnte bisher nur in Erfahrung bringen, dass sich eine Faksmilie-Ausgabe im Besitz des historischen Vereins für Mittelfranken befindet. Werde die Tage mal Kontakt aufnehmen, um herauszufinden, ob sich das fragliche Wappen darin finden lässt.


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Ungelesener BeitragVerfasst: 10.01.2019, 23:15 
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Beiträge: 115
Hier die Adresse:

Dr. Daniel Burger
Archivoberrat
Staatsarchiv Nürnberg
Archivstr. 17
90408 Nürnberg
Tel. 0911-93519-25
www.gda.bayern.de


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